Indexzertifikate
Grundsätzlich sind Indexzertifikate Schuldverschreibungen, die von Geldinstituten ausgegeben werden und an der Börse gehandelt werden. Der Emittent verpflichtet sich als Schuldner, zu einem bestimmten, zuvor festgelegten Stichtag, an dem das Indexzertifikat fällig wird, dem Anleger als Gläubiger, den entsprechenden Wert zurückzuzahlen.
Indexzertifikate als Abbild von Börsenindices
Der Wert eines Indexzertifikats orientiert sich an einem Index aus an der Börse gehandelten Wertpapieren oder Waren. Ein Index spiegelt an der Börse die Kursentwicklung mehrerer Werte wider. Die Börsentitel werden entsprechend vordefinierter Kriterien und mit unterschiedlicher Gewichtung in der Berechnung eines Indexes berücksichtigt. Das Indexzertifikat bildet einen entsprechenden Index exakt ab. Die Wertentwicklung des Indexzertifikats verläuft also identisch zu der Entwicklung des Indexes.
Die Laufzeit von Indexzertifikaten ist in der Regel auf mehrere Jahre festgelegt. Jedoch werden an der Börse auch "Open End"-Zertifikate mit einer Laufzeit auf unbestimmte Dauer gehandelt. Der Anleger kauft das Indexzertifikat in einem Bezugsverhältnis zum zugrunde liegenden Index. So bedeutet ein Bezugsverhältnis von 1:100, dass das Indexzertifikat ein Hundertstel des aktuellen Indexstandes kostet. Ein Indexzertifikat auf den Deutschen Aktienindex (DAX) hätte demnach bei einem DAX-Stand von 5000 Punkten einen Kurs von 50 Euro.
Mit Indexzertifikaten hat der Anleger somit den Vorteil, mit relativ geringem Kapitaleinsatz an der Wertentwicklung eines Indexes zu partizipieren, ohne dass er - wie beim Direktinvestment - die einzelnen Bestandteile des Indexes in seinem Depot halten muss.
Große Auswahl an Indexzertifikaten
Der Fantasie der Banken bezüglich angebotener Indexzertifikate ist kaum Grenzen gesetzt. Wenn an den Börsen der Welt ein neuer Index kreiert wird, lassen ihm Geldinstitute meist zügig ein Indexzertifikat dazu folgen. Am bekanntesten sind Indexzertifikate auf Aktienindices, etwa auf den DAX, den MDAX, den DOW JONES, die NASDAQ, den EUROSTOXX oder den NIKKEI. Es handelt sich hierbei um Performanceindices, die Dividenden in ihre Wertentwicklung einbeziehen oder um reine Kursindices, die Dividendenzahlungen außen vorlassen. Bei Indexzertifikaten erhalten Anleger - im Gegensatz zum Direktinvestment in Aktien - in der Regel keine Ausschüttungen.
Indexzertifikate werden darüber hinaus auf Rohstoffindices, Branchenindices und auf Indices von Anleihen angeboten. Häufig werden Indices miteinander kombiniert in so genannten Basket-Index-Zertifikaten angeboten. Solche Index-"Körbe" enthalten beispielsweise mehrere Indices von Schwellenländern. Bekannt gewordene Beispiele sind Indexzertifikate auf die Aktienindices der BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China.
Kombination mit anderen Zertifikatstypen
Auf dem Markt finden sich auch Indexzertifikate, die auf unterschiedlichste Art mit anderen Zertifikatstypen gekoppelt sind. Als Beispiele können hier für den sicherheitsbewussteren Anleger Discount-Indexzertifikate gelten, die bei niedrigeren Einstiegskursen eine festgelegte Renditeobergrenze aufweisen. Mehr chancenorientierten Anlegern eröffnen die sehr spekulativen Turbo-Indexzertifikate ein weites Betätigungsfeld. Diese Zertifikate bilden zwar einen entsprechendem Index genau ab, die Gewinnentwicklung dieser "Turbos" verläuft jedoch - ähnlich wie bei Optionsscheinen - mit Hebelwirkung, das heißt mit einem Multiplikator, der größer ist als 1. Einige dieser Turbo-Indexzertifikate haben eine Schwelle, bei deren Unterschreiten das Zertifikat wertlos wird.
Vergleich Indexzertifikate und Indexfonds
Oftmals werden Indexzertifikate und Indexfonds miteinander vergleichen. Gegenüber Indexfonds haben die Indexzertifikate den Vorteil, dass sie ohne Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühren gehandelt werden. Beim Kauf von Indexzertifikaten ist hingegen lediglich ein Spread (Handelsspanne) zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis zu bezahlen. Auch sind Indexzertifikate im täglichen Börsenverlauf ständig handelbar, wogegen bei Indexfonds in der Regel nur eine börsentägliche Kursfeststellung erfolgt.
Gegenüber Indexfonds weisen Indexzertifikate jedoch den Nachteil auf, dass sie im Fall einer Zahlungsunfähigkeit des Emittenten als Schuldverschreibungen nicht zurückgezahlt werden könnten.
Da Indexzertifikate einen entsprechenden Index nur 1:1 abbilden, fehlt bei ihnen jegliche aktive Steuerungsmöglichkeit. Indexfonds hingegen bilden einen Index nicht rechnerisch in einem bestimmten Bezugsverhältnis ab, sondern enthalten tatsächlich Werte aus dem zugrunde liegenden Index, wobei - im Gegensatz zum Indexzertifikat - die Gewichtung der einzelnen Werte nicht der des Indexes entsprechen muss.
Sofern es die Bedingungen des Indexfonds erlauben, ist ein aktives Fondsmanagement dadurch in der Lage, "schlechte" Werte im Indexfonds durch "gute" zu ersetzen und somit positiv auf die Wertentwicklung des Indexfonds einzuwirken. Jedoch hat die Vergangenheit auch immer wieder gezeigt, dass sich nicht jedes aktive Fondsmanagement als erfolgreich erwiesen hat und der Index (und somit auch das entsprechende Indexzertifikat) nicht "geschlagen" werden konnte.
Indexzertifikate weniger schwankungsanfällig
Indexzertifikate sind im Allgemeinen in ihrer Wertentwicklung gegenüber dem Investment in einzelne Werte weniger schwankungsanfällig, da sie sich Gewinne und Verluste der Werte innerhalb des abgebildeten Indexes teils ausgleichen können. Das Risiko eines Investments in Indexzertifikate ist folglich geringer als der Handel mit Einzelwerten. Der ausgeglicheneren Wertentwicklung innerhalb von Indices steht andererseits eine dämpfende Wirkung auf positive Wertsteigerungen gegenüber. Die Gewinnchancen des Indexzertifikats sind also geringer als beim Einzelinvestment.
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